Autoraser-Prozess: „Es war ihm egal, was passiert“

Eingetragen von Rechtsanwalt Roland Weber am 17. Sep 2018 zum Thema Opfervertretung

Am 21. September verletzte der 34-jährige Djordje S. bei einem Verkehrsunfall eine Frau und ihre Tochter. Doch der Fall landete nicht vor dem Verkehrsrichter. Djordje S. muss sich vor einem Moabiter Schwurgericht verantworten. Am Montag forderte Staatsanwalt Bernhard Gierse für den gebürtigen Serben wegen zweifachen versuchten Mordes eine Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren

Gierse beschrieb in seinem Plädoyer noch einmal die „Horrorfahrt“ des Angeklagten: Djordje S. war hinter dem Steuer eines 3er BMW gegen acht Uhr in eine Polizeikontrolle geraten, war geflohen und dabei mit bis zu 100 Stundenkilometern durch die Innenstadt gerast. An der Oranienstraße (Kreuzberg) fuhr er auf eine Kreuzung zu. Die Ampel signalisierte „Rot“. Djordje S. fuhr dennoch weiter und erfasste die 27-jährige Sultan A. und ihre fünfjährige Tochter Melek, die unterwegs zum Kindergarten waren und bei „Grün“ die Straße überqueren wollten. Erlaubt sind an dieser Stelle 30 Stundenkilometer. Djordje S. raste nach dem Unfall einfach weiter. Erst an der Görlitzer Straße, als er zu Fuß flüchten wollte, konnte er gestellt werden. Mutter und Tochter wurden bei dem Crash mehr als 25 Meter weit durch die Luft geschleudert. Sultan A. erlitt Brüche an Wirbelsäule, Armen, Beinen, Becken und Hirnverletzungen. Herbei geeilte Passanten hielten sie anfangs sogar für tot. Auch Melek wurde lebensgefährlich verletzt. Beide leiden heute noch schwer an den Folgen des Unfalls.

(...)

von Michael Mielke


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